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Studie · 12. Oktober 2026 · aktualisiert am 14. Oktober 2026 · 11 Min. Lesezeit

Momentum-Strategien im Backtest: 49.000 Trades nach Kosten

Redaktion FindAsset · So arbeiten wir

Wir haben die fünf Regelwerke des FindAsset-Screeners auf rund 49.000 simulierte Trades von Mai 2022 bis September 2026 getestet, mit Stops als echten Orders und 0,2 % Kosten je Kauf und Verkauf. Nach Kosten liegen drei Strategien im Plus, zwei im Minus. Gegen den fairsten Maßstab, einen Zufallskauf mit gleicher Haltedauer, hält nur die Zanger-Strategie einen klaren Vorsprung. Unser erster Backtest hatte deutlich bessere Zahlen gezeigt. Sie waren falsch.

Update 14. Oktober 2026: Wir haben die Regeln inzwischen geändert (fester Stop, RS-Filter für Minervini und Qullamaggie) und alles ohne Zeitausstieg, wie im Screener, zusätzlich als Musterdepot gegen den S&P 500 gerechnet. Die neuen Zahlen stehen weiter unten im Abschnitt „Update: die heutigen Regeln als Depot“. Die Strategie „Fenders“ heißt jetzt Confluence, weil es sich um ein eigenes Regelwerk handelt.

Diesen Artikel gibt es, weil wir uns geirrt haben. Im September haben wir die Ausstiegsregeln des Screeners per Backtest geprüft und Profitfaktoren zwischen rund 1,6 und 2,5 bekommen. Das sah hervorragend aus. Im Oktober wollten wir die Zahlen auf unseren Strategie-Seiten veröffentlichen und haben die Rechnung dafür noch einmal strenger aufgesetzt. Danach blieb von den schönen Werten wenig übrig.

Wir zeigen hier beides: was schiefgelaufen ist und was nach ehrlicher Rechnung übrig bleibt. Die meisten Backtests, die du im Netz findest, machen dieselben Fehler wie unser erster. Wer sie kennt, liest solche Zahlen mit anderen Augen.

So haben wir getestet

Grundlage sind die Tageskurse von 887 US-Aktien aus S&P 500 und S&P 400, sechs Jahre zurück. Das Testfenster läuft von Mitte Mai 2022 bis Mitte September 2026, davor brauchen die Indikatoren Vorlauf. Ein Trade entsteht, wenn eine Aktie neu in die oberen Stufen des Screeners aufsteigt (ELITE oder STRONG). Dafür müssen mindestens vier der fünf Regelwerke zustimmen, die Aktie muss in einem intakten Aufwärtstrend stehen, ihr Sektor überdurchschnittlich stark sein und der S&P 500 über seinem 200-Tage-Durchschnitt notieren. So arbeitet auch der Live-Screener, der Test ruft dessen Code direkt auf.

Jede Strategie, die eine solche Aktie bestätigt, handelt sie dann mit ihren eigenen Regeln: Minervini mit Stop unter der 50-Tage-Linie, Zanger mit 7,5 % und Confluence (damals Fenders) mit 8 % Abstand, Qullamaggie und Kell mit Stops nach der durchschnittlichen Tagesschwankung (1,5 bzw. 1 ATR). Dazu kommt ein Kursziel als Vielfaches des Risikos und eine maximale Haltedauer zwischen 7 und 25 Handelstagen. Weil die Einstiege bei allen Strategien weitgehend dieselben sind, vergleicht dieser Test vor allem eines: wie man aus einem guten Kandidaten wieder aussteigt.

Unser erster Backtest war zu optimistisch

Der Fehler war unscheinbar. Der erste Test hat jeden Abend geprüft, ob der Schlusskurs unter dem Stop liegt, und den Trade dann zum Stop-Kurs verbucht. Schloss eine Aktie mit Stop bei 100 $ bei 96 $, stand im Test ein Verkauf zu 100 $. Kein Broker der Welt füllt so. Eröffnet eine Aktie nach schlechten Nachrichten mit einer Lücke weit unter deinem Stop, verkaufst du zum Eröffnungskurs, nicht zu deinem Wunschpreis. Kosten hatte der erste Test gar nicht.

Die neue Rechnung behandelt Stop und Ziel wie echte, im Markt liegende Orders. Sie prüft gegen Tageshoch und Tagestief, füllt bei Lücken zum Eröffnungskurs und nimmt den Stop zuerst, wenn an einem Tag beides berührt wurde. Auf jeden Kauf und Verkauf kommen 0,2 % für Gebühren und Spread. Das Ergebnis:

Profitfaktor je Strategie: erster Backtest vs. realistisch gerechnet

Erster Backtest (zu optimistisch) Realistisch, nach Kosten
0,51,01,52,02,5GewinnschwelleZangerZanger: erster Backtest PF 1,881,88Zanger: realistisch nach Kosten PF 1,30 (ohne Kosten 1,51)1,30MinerviniMinervini: erster Backtest PF 1,691,69Minervini: realistisch nach Kosten PF 1,15 (ohne Kosten 1,31)1,15ConfluenceConfluence: erster Backtest PF 1,591,59Confluence: realistisch nach Kosten PF 1,11 (ohne Kosten 1,29)1,11KellKell: erster Backtest PF 1,681,68Kell: realistisch nach Kosten PF 0,90 (ohne Kosten 1,15)0,90QullamaggieQullamaggie: erster Backtest PF 2,542,54Qullamaggie: realistisch nach Kosten PF 0,88 (ohne Kosten 1,16)0,88

Profitfaktor = Summe der Gewinne geteilt durch Summe der Verluste. Unter 1 verliert die Strategie Geld. Realistisch = Stop als echte Order gegen den Tagesverlauf, Kurslücken zum Eröffnungskurs, 0,2 % Kosten je Kauf und Verkauf.

Am härtesten trifft es Qullamaggie: von 2,54 auf 0,88. Seine Stops sind eng, also wird er oft ausgestoppt, und genau dort hat der erste Test am meisten geschönt. Der größte Teil des Rückgangs geht auf die Ausführung zurück: Ohne Kosten, aber mit realistischen Fills, käme Qullamaggie auf 1,16. Die Kosten drücken ihn dann unter 1.

Eine zweite Erkenntnis kam gratis dazu. Der erste Test hatte ergeben, dass ein nachgezogener Stop (Trailing-Stop) alle fünf Strategien verbessert. Wir hatten ihn daraufhin im Screener eingebaut. Unter realistischer Rechnung ist der feste Stop bei allen fünf leicht besser, Minervini zum Beispiel 1,17 statt 1,15. Den Trailing-Stop haben wir deshalb wieder abgeschaltet.

Was nach Kosten übrig bleibt

Kennzahlen je Strategie nach Kosten
StrategieTradesTrefferØ GewinnerØ VerliererØ je TradePFØ Tage
Zanger1.56349,4 %+6,43 %-4,81 %+0,74 %1,306,0
Minervini12.08639,4 %+8,91 %-5,02 %+0,47 %1,1516,1
Confluence11.94148,7 %+5,94 %-5,05 %+0,30 %1,1112,7
Kell12.02932,5 %+4,89 %-2,61 %-0,17 %0,904,2
Qullamaggie11.60830,8 %+4,59 %-2,32 %-0,19 %0,884,7

Auf den ersten Blick fällt die Trefferquote auf. Minervini liegt nur bei 39 %, und trotzdem verdient die Strategie Geld, weil ein durchschnittlicher Gewinner fast doppelt so viel bringt, wie ein Verlierer kostet. Bei Qullamaggie und Kell ist das Verhältnis ähnlich, nur gewinnen sie zu selten: Drei von zehn Trades reichen nicht.

Der Median ist bei allen fünf Strategien negativ. Der typische einzelne Trade verliert also leicht, das Ergebnis tragen die wenigen großen Gewinner. Das ist bei Momentum normal und psychologisch der schwierigste Teil: Wer nach drei, vier Verlusten in Folge die Regeln ändert, verpasst genau die Trades, die die Bilanz machen.

Die entscheidende Frage: Besser als Zufall?

Ein Profitfaktor über 1 klingt gut. Er sagt aber nur, dass die Strategie im Testzeitraum Geld verdient hat, und 2023 bis 2026 war ein starker Markt. Darum haben wir denselben Test mit einer Strategie ohne jede Intelligenz gemacht: an jedem Tag jede Aktie des Universums kaufen und 5, 10 oder 20 Tage halten, mit denselben Kosten. Erst der Abstand zu dieser Linie zeigt, ob ein Filter etwas taugt.

Besser als Zufall? Profitfaktor nach Kosten gegen Haltedauer

Strategie Zufallskauf
0,80,91,01,11,21,31,405101520Ø Haltedauer in HandelstagenGewinnschwelleZufallskauf, 5 Tage halten: PF 0,95, Ø -0,09 % je TradeZufallskauf, 10 Tage halten: PF 1,09, Ø +0,22 % je TradeZufallskauf, 20 Tage halten: PF 1,26, Ø +0,83 % je TradeZufallskaufZanger: PF 1,30 nach Kosten, Ø 6,0 Tage, 1.563 TradesZanger 1,30Minervini: PF 1,15 nach Kosten, Ø 16,1 Tage, 12.086 TradesMinervini 1,15Confluence: PF 1,11 nach Kosten, Ø 12,7 Tage, 11.941 TradesConfluence 1,11Kell: PF 0,90 nach Kosten, Ø 4,2 Tage, 12.029 TradesKell 0,90Qullamaggie: PF 0,88 nach Kosten, Ø 4,7 Tage, 11.608 TradesQullamaggie 0,88

Graue Linie: beliebige Aktie aus demselben Universum an einem beliebigen Tag kaufen und 5, 10 oder 20 Handelstage halten, mit denselben Kosten. Liegt eine Strategie unter der Linie, war sie nicht besser als ein Zufallskauf mit ähnlicher Haltedauer.

Zanger liegt deutlich über der Linie. Bei rund sechs Tagen Haltedauer kommt ein Zufallskauf auf etwa 1,0, Zanger auf 1,30. Das ist der einzige klare Vorsprung im Test. Minervini und Confluence liegen etwa auf der Linie: Sie verdienen Geld, aber nicht mehr als beliebige Käufe mit ähnlicher Haltedauer. Qullamaggie und Kell liegen darunter.

Zangers Regelwerk verlangt einen Ausbruch mit stark erhöhtem Volumen, also ein konkretes Ereignis an einem bestimmten Tag. Die anderen Regelwerke beschreiben eher einen Zustand: Aufwärtstrend, Nähe zum Hoch, gute Struktur. Ein Zustand hält oft wochenlang an und sagt wenig darüber, ob gerade heute ein guter Einstiegstag ist. Dass ausgerechnet der Ereignis-Filter vorne liegt, halten wir nicht für Zufall.

Warum kurze Haltedauern verlieren

Die Kosten erklären einen großen Teil. 0,2 % je Kauf und Verkauf sind zusammen rund 0,4 % je Trade. Qullamaggie und Kell verdienen vor Kosten im Schnitt nur etwa 0,2 % pro Trade, weil sie nach vier bis fünf Tagen schon wieder draußen sind. Die Kosten fressen das doppelt auf. Bei Minervini mit 16 Tagen Haltedauer liegt der Bruttogewinn bei knapp 0,9 % pro Trade, da bleibt nach Kosten etwas übrig.

Dazu kommt, dass die starken Aktien über Wochen laufen, nicht über Tage. Wer mit engem Stop einsteigt, wird vom normalen Rauschen ausgestoppt, bevor die Bewegung beginnt. Wir haben das gegengeprüft: Verdoppelt man die maximale Haltedauer, steigt Zanger von 1,30 auf 1,43 und Minervini von 1,15 auf 1,27. Qullamaggie und Kell kommen auch mit längerer Haltedauer, weiteren Stops oder anderen Ausstiegsregeln höchstens knapp über die Gewinnschwelle, in beiden Hälften des Testzeitraums nicht über das Niveau von Zufallskäufen.

Qullamaggie handelt in Wahrheit vor allem kleinere, sehr bewegliche Aktien, oft nach Kurssprüngen auf Quartalszahlen. Wir haben deshalb das Universum auf rund 3.000 US-Aktien inklusive Small Caps erweitert und methodennähere Einstiege getestet: Ausbruch aus enger Konsolidierung nach starkem Vorlauf, für Kell den Rücksetzer an die 20-Tage-Linie. Auch das brachte keinen Vorsprung gegenüber Zufallskäufen in denselben Aktien. Was diese Trader erfolgreich macht, steckt offenbar in Dingen, die in Kursdaten nicht vorkommen: Katalysatoren, Themen, die Auswahl der besten zwei aus fünfzig Kandidaten.

Jedes Jahr ist anders

Profitfaktor nach Kosten je Strategie und Jahr
Strategie2022*2023202420252026**
Zanger0,060,931,531,471,49
Minervini0,071,031,291,161,07
Confluence0,050,941,321,011,15
Kell0,130,831,010,790,97
Qullamaggie0,100,800,980,711,04
* ab Mitte Mai 2022, nur 15 bis 92 Trades je Strategie, weil die Marktfilter im Bärenmarkt fast alles aussortiert haben. ** bis Mitte September 2026.

2022 war für alle Strategien ein Desaster, allerdings mit sehr wenigen Trades. Der Marktfilter hat im Bärenmarkt fast alles aussortiert, und was durchkam, ging schief. 2024 war das beste Jahr, 2025 und 2026 schwächer. Zanger ist die einzige Strategie, die seit 2024 in jedem Jahr deutlich über 1 liegt.

Für die Praxis heißt das: Ein einzelnes Jahr sagt wenig. Wer eine Strategie nach drei guten Monaten für bewiesen hält, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit einen guten Markt gemessen und keine gute Strategie.

Update: die heutigen Regeln als Depot

Seit der ersten Fassung dieses Artikels haben wir zwei Regeln geändert. Der Trailing-Stop ist aus, weil der feste Stop im Test besser war. Und Minervini und Qullamaggie verlangen für einen Einstieg jetzt einen RS-Rang von mindestens 80: Die Aktie muss über das letzte Jahr stärker gelaufen sein als 80 % aller Aktien im Universum. Diese Regel haben wir vor dem Test festgelegt und auf zwei getrennten Zeiträumen geprüft, 2022 bis 2024 und 2025 bis 2026.

Außerdem rechnen wir jetzt ohne die feste Höchsthaltedauer von 7 bis 25 Tagen, die der erste Teil dieses Artikels noch verwendet. Der Screener kennt keinen Zeitausstieg: Eine Position läuft, bis Stop oder Kursziel erreicht sind. Eine erste Fassung dieses Updates hatte den Zeitausstieg noch drin und sah für einzelne Strategien deutlich anders aus, vor allem für Qullamaggie. Gezeigt wird jetzt, was das Produkt tatsächlich tut.

Profitfaktoren pro Trade sagen wenig darüber, was ein Trader am Ende auf dem Konto hat. Deshalb haben wir jede Strategie zusätzlich als Musterdepot gerechnet: 100.000 $ Startkapital, 1 % Risiko je Trade, höchstens acht Positionen gleichzeitig. Kommen mehr Signale, als Platz ist, gewinnt die liquideste Aktie. Als Maßstab dient der S&P 500 im selben Zeitraum, inklusive Dividenden.

Live-Regeln: Profitfaktor je Trade und Musterdepot gegen den S&P 500
StrategiePF je TradeZufall*Depot gesamt2022–242025–26Max. RückgangTop-10-Anteil**
Zanger1,621,47+98 %+59 %+38 %-26 %61 %
Minervini (RS ≥ 80)1,581,71+75 %+70 %-2 %***-24 %70 %
Qullamaggie (RS ≥ 80)1,151,22+46 %+45 %+10 %-33 %127 %
Kell0,930,95+42 %+3 %+45 %-34 %92 %
Confluence1,361,76+42 %+47 %-1 %***-25 %108 %
S&P 500––+101 %+52 %+32 %-19 %–
* Profitfaktor eines Zufallskaufs mit gleicher Haltedauer. ** Anteil der zehn besten Trades am Depot-Gewinn, über 100 % heißt: ohne sie stünde das Depot im Minus. *** weniger als 100 Trades, nicht belastbar. Depot: 100.000 $, 1 % Risiko je Trade, höchstens 8 Positionen, kein Zeitausstieg, Kosten wie oben. Jeder Zeitraum startet mit eigenem Depot. Fett: besser als der S&P 500 im selben Zeitraum.

Nur Zanger schlägt den S&P 500 in beiden Zeiträumen, 2022 bis 2024 und 2025 bis 2026, und liegt auch pro Trade klar über einem Zufallskauf mit gleicher Haltedauer. Der Vorsprung ist allerdings knapp, über den ganzen Zeitraum liegt Zanger sogar knapp hinter dem Index. Das liegt an der Rechnung: Gesamt läuft ein einziges Depot durch, während jeder Teilzeitraum mit frischen 100.000 $ startet.

Minervini lässt Gewinner lange laufen und lag bis Ende 2024 deutlich vor dem Index. Seit 2025 steht das Depot knapp im Minus, allerdings mit weniger als 100 Trades, zu wenig für ein belastbares Urteil. Pro Trade liegt die Regel unter einem Zufallskauf mit gleich langer Haltedauer: Wer elf Wochen hält, verdient im Testzeitraum auch mit zufällig gewählten Aktien gut.

Qullamaggie und Confluence liegen in beiden Zeiträumen hinter dem Index, Kell nur 2025/26 davor. Bei Qullamaggie und Confluence stünde das Depot ohne die zehn besten Trades im Minus.

Wenige Trades machen das Ergebnis. Selbst bei Zanger kommen rund 60 % des Gewinns aus den zehn besten von 242 Trades. Das ist für Momentum typisch und zugleich die größte Unsicherheit: Ein paar fehlende Volltreffer, und das Bild sieht ganz anders aus.

Unsere ehrliche Zusammenfassung: Zanger hat die belastbarsten Zahlen. Alle anderen Regelwerke sind als Vorfilter nützlich, als mechanische Kaufregel aber nicht besser als ein Indexfonds. Über den ganzen Zeitraum hat keine der fünf Strategien den S&P 500 geschlagen.

Was das für dich als Trader heißt

Ein Screener-Treffer ist kein Kaufsignal. Das sagen wir seit jeher, und dieser Test liefert die Zahlen dazu: Wer jeden Treffer mechanisch kauft, landet bei vier von fünf Regelwerken ungefähr beim Zufall. Der Filter spart dir die Arbeit, 900 Aktien durchzugehen. Die Entscheidung, welcher Kandidat es wirklich wert ist, nimmt er dir nicht ab.

Drei Dinge würden wir aus dem Test mitnehmen. Erstens: Rechne Kosten immer ein, und zwar bevor du dich für eine Strategie mit kurzen Haltedauern begeisterst. Zweitens: Gib guten Trades Zeit. Ein Stop gehört dorthin, wo die These widerlegt ist, nicht dorthin, wo er sich gut anfühlt; mehr dazu im Artikel Stop-Loss richtig setzen. Und drittens: Misstraue jedem Backtest, der nicht sagt, wie er mit Kurslücken und Kosten umgeht. Unser eigener erster hat es nicht getan.

Grenzen dieser Studie

Der Test hat Schwächen, und wir nennen sie lieber selbst. Er verwendet die heutige Aktienliste auch für vergangene Jahre, das gilt auch für das Musterdepot. Firmen, die zwischendurch aus dem Index gefallen oder pleitegegangen sind, fehlen, und das schönt alle Zahlen eher. Die Regelwerke sind mechanische Annäherungen an die Methoden der Trader, keine Kopien. Der Zeitraum ist überwiegend ein Bullenmarkt. Steuern und Wechselkurse sind nicht eingerechnet, und die feste Höchsthaltedauer ist eine Vereinfachung, die es im Live-Screener nicht gibt.

Wie wir Daten, Regeln und Tests aufsetzen, steht ausführlich auf der Seite So arbeitet FindAsset.

Die Kandidaten findet der Screener, entscheiden musst du

FindAsset prüft über 900 US-Aktien viermal täglich gegen alle fünf Regelwerke, inklusive Sektor- und Marktfilter. Die Vorauswahl ist in Sekunden erledigt, die Zeit bleibt für die eigentliche Analyse.

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Häufige Fragen zum Backtest

Was ist ein Profitfaktor?+

Der Profitfaktor ist die Summe aller Gewinne geteilt durch die Summe aller Verluste. Ein Wert von 1,30 heißt: Auf jeden verlorenen Euro kamen 1,30 Euro Gewinn. Unter 1 verliert eine Strategie unterm Strich Geld. Er sagt nichts darüber, wie stark die Ergebnisse schwanken, und sollte deshalb immer zusammen mit Trefferquote, Durchschnittsgewinn und einem Vergleichsmaßstab gelesen werden.

Warum sind viele Backtests zu optimistisch?+

Die häufigsten Gründe: Stops werden zum Stop-Kurs verbucht, obwohl der Kurs mit einer Lücke darunter eröffnet hat. Kosten und Spreads fehlen. Die Aktienliste enthält nur heutige Überlebende. Und die Regeln wurden so lange angepasst, bis die Vergangenheit gut aussieht. Unser erster Test hatte die ersten beiden Fehler und lag dadurch beim Profitfaktor um 0,5 bis 1,7 Punkte zu hoch.

Funktionieren Momentum-Strategien überhaupt?+

Momentum ist einer der am besten belegten Effekte am Aktienmarkt. Unser Test zeigt aber, dass ein einfacher Filter allein nach Kosten oft nicht mehr bringt als ein Zufallskauf. Der Vorsprung entsteht eher durch den konkreten Auslöser (bei uns: Ausbruch mit Volumen), durch längere Haltedauern und durch die Auswahl der besten Kandidaten, also durch das, was ein Trader nach dem Screening tut.

Warum schneidet Qullamaggie so schlecht ab, obwohl er erfolgreich ist?+

Weil wir nicht ihn getestet haben, sondern eine mechanische Annäherung an seine öffentlich beschriebenen Kriterien auf großen US-Aktien. Er handelt bevorzugt kleinere, sehr volatile Werte, oft nach Kurssprüngen auf Nachrichten, und wählt aus vielen Kandidaten sehr wenige aus. Kurze Haltedauern mit engen Stops sind für eine mechanische Umsetzung nach Kosten besonders ungünstig.

Mit welchen Handelskosten sollte ich rechnen?+

Bei US-Aktien über einen günstigen Broker sind Ordergebühren oft gering, dazu kommen aber Spread, Ausführungsabweichung und bei Euro-Konten die Währungsumrechnung. Wir haben 0,2 % je Kauf und je Verkauf angesetzt, zusammen etwa 0,4 % pro Trade. Wer viele kurze Trades macht, sollte diese Zahl für seinen eigenen Broker nachrechnen.

Kann ich die Ergebnisse nachprüfen?+

Die Methode ist auf der Seite „So arbeitet FindAsset" beschrieben, die Regeln jeder Strategie auf den Strategie-Seiten. Der Test nutzt denselben Code wie der Live-Screener und sieht an jedem simulierten Tag nur die Daten, die es damals gab.

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Dieser Artikel dient ausschließlich Bildungs- und Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung sowie keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Der Handel mit Wertpapieren ist mit erheblichen Risiken bis zum Totalverlust verbunden. Backtests und historische Ergebnisse sind kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Entwicklung.