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Grundlagen · 09. Juli 2026 · 8 Min. Lesezeit

Momentum-Aktien-Screener: Worauf es bei der Auswahl ankommt

Ein Momentum-Aktien-Screener filtert nicht nach Bewertungskennzahlen wie dem KGV, sondern nach Kursverhalten: relative Stärke, intakte Trendstruktur, Chartmuster und Volumen. Entscheidend bei der Auswahl sind fünf Punkte — misst das Tool relative Stärke, prüft es objektive Trendkriterien, erkennt es Muster wie das VCP, kombiniert es mehrere Signale (Confluence) und liefert es die Daten so aktuell und verständlich, dass du abends in 15 Minuten durch bist.

Wer zum ersten Mal nach einem Aktien-Screener sucht, landet schnell bei Tools, die für eine ganz andere Frage gebaut wurden: Ist diese Aktie fair bewertet? Für Momentum-Trading ist das die falsche Frage. Hier zählt nicht, was eine Aktie wert sein müsste, sondern wie sie sich gerade verhält. Dieser Ratgeber erklärt, woran du einen Screener erkennst, der diese Frage beantworten kann — unabhängig davon, für welches Tool du dich am Ende entscheidest.

Was unterscheidet einen Momentum-Screener von einem klassischen Aktienfinder?

Ein klassischer Aktienfinder sortiert den Markt nach Fundamentaldaten: Gewinnwachstum, Dividendenhistorie, Verschuldung, Bewertung. Das ist für langfristige Anleger genau richtig — und für Momentum-Trader fast nutzlos. Denn die Aktien, die in den nächsten Wochen am stärksten laufen, sehen in Fundamental-Filtern oft „zu teuer" aus. Sie stehen nahe am 52-Wochen-Hoch, ihr KGV ist überdurchschnittlich, und genau deshalb fallen sie durch jedes Value-Raster.

Ein Momentum-Screener dreht die Logik um: Er sucht Aktien, die sich bereits stark verhalten, und prüft dann, ob die Bewegung technisch sauber ist — Trendstruktur, Volumen, Konsolidierungsverhalten. Beide Werkzeugtypen haben ihre Berechtigung. Sie beantworten nur verschiedene Fragen, und wer Momentum handeln will, braucht das passende Werkzeug dafür.

Kriterium 1: Misst der Screener relative Stärke?

Relative Stärke ist das Herzstück jeder Momentum-Strategie: Wie hat sich eine Aktie im Vergleich zum Gesamtmarkt entwickelt? Eine Aktie, die in einer Korrektur seitwärts läuft, während der Index fällt, zeigt relative Stärke — das ist oft der Vorbote der nächsten Aufwärtsbewegung.

Ein brauchbarer Momentum-Screener muss diese Frage beantworten können, ohne dass du hundert Charts von Hand vergleichst. Konkret heißt das: Kursentwicklung über mehrere Zeitfenster (etwa 1, 3 und 6 Monate), Abstand zum 52-Wochen-Hoch und idealerweise ein Ranking, das die stärksten Aktien des Universums nach oben sortiert. Wenn ein Tool nur „Kurs über 200-Tage-Linie" filtern kann, ist das ein Anfang — aber noch keine relative Stärke.

Kriterium 2: Prüft er objektive Trendkriterien statt Bauchgefühl?

Die erfolgreichsten Momentum-Trader haben ihre Regeln präzise dokumentiert, und das Beste daran: Diese Regeln sind maschinell prüfbar. Das Trend Template von Mark Minervini besteht aus harten Kriterien — Kurs über der 150- und 200-Tage-Linie, die Linien selbst steigend, Mindestabstand zum 52-Wochen-Tief. Entweder eine Aktie erfüllt sie oder nicht; Interpretationsspielraum gibt es kaum.

Ein guter Screener setzt solche dokumentierten Regelwerke vollständig um, statt dich einzelne Filter selbst zusammenbasteln zu lassen. Der Unterschied klingt klein, ist aber praktisch groß: Wer sich seine Kriterien selbst zusammenklickt, lockert sie erfahrungsgemäß genau dann, wenn ein Liebling durchfällt. Ein fest hinterlegtes Regelwerk kennt keine Ausnahmen — und genau diese Disziplin macht den Wert eines Screeners aus.

Kriterium 3: Erkennt er Chartmuster — oder nur Zahlenfilter?

Zwischen „die Aktie ist stark" und „die Aktie ist jetzt kaufbar" liegt das Setup. Momentum-Trader kaufen selten einfach Stärke; sie warten auf eine Struktur, aus der die Aktie ausbrechen kann: das Volatility Contraction Pattern bei Minervini, die Cup-with-Handle-Formation bei Dan Zanger, die enge Verschnaufpause nach einem starken Anstieg bei Kristjan Qullamaggie oder der Rücksetzer an die 10- oder 20-Tage-Linie bei Oliver Kell.

Solche Muster lassen sich nicht mit einem simplen Zahlenfilter abbilden — „Kurs über SMA50" erkennt keine Kontraktionsfolge. Frag dich bei jedem Tool: Findet es nur starke Aktien, oder erkennt es auch, ob gerade ein handelbares Setup vorliegt? Der zweite Teil spart dir den größten Zeitblock, nämlich das abendliche Durchklicken von Charts auf der Suche nach Formationen.

Kriterium 4: Kombiniert er mehrere Strategien (Confluence)?

Jede einzelne Momentum-Strategie produziert Fehlsignale — das gehört zum Geschäft. Interessant wird es, wenn mehrere unabhängige Regelwerke gleichzeitig anschlagen: Eine Aktie, die das Trend Template erfüllt, eine saubere Formation zeigt und zusätzlich die Volumenbestätigung liefert, die ein Confluence-Ansatz verlangt, ist ein qualitativ anderes Signal als ein Treffer in einem einzelnen Filter.

Diese Verdichtung — im Fachjargon Confluence — ist von Hand mühsam: Du müsstest fünf Strategien parallel screenen und die Schnittmengen selbst bilden. Ein Screener, der das eingebaut hat und dir zeigt, wie viele Strategien ein Setup unabhängig voneinander bestätigen, sortiert deine Watchlist von allein nach Signalqualität.

Kriterium 5: Liefert er Kontext — Sektor, Aktualität, Bedienbarkeit?

Drei Punkte entscheiden im Alltag darüber, ob du ein Tool nach zwei Wochen noch benutzt:

  • Sektor-Kontext: Momentum tritt in Wellen auf — Kapital rotiert von Branche zu Branche. Eine starke Aktie aus einem starken Sektor ist statistisch das bessere Setup als ein Einzelgänger. Ein Sektor-Ranking gehört deshalb in den Werkzeugkasten, nicht nur die Einzelaktien-Liste.
  • Datenrhythmus: Momentum-Setups entstehen und zerfallen innerhalb von Tagen. Ein Screener, der einmal pro Woche aktualisiert, zeigt dir Ausbrüche, die längst gelaufen sind. Mehrere Scans über den US-Handelstag verteilt sind der Maßstab.
  • Sprache und Einstiegshürde: Die meisten Momentum-Tools kommen aus den USA und setzen englische Fachbegriffe voraus. Das ist kein Qualitätsmangel — aber eine reale Hürde, wenn du Begriffe wie „Consolidation" oder „Pivot" erst nachschlagen musst, statt das Setup zu bewerten. Prüf ehrlich, in welcher Sprache du schneller arbeitest.

Welche Tools gibt es am Markt?

Ein kurzer, sachlicher Überblick über die bekanntesten Werkzeuge — welches passt, hängt davon ab, was du damit vorhast:

Finviz ist ein englischsprachiger Screener für den US-Markt mit einer großen Auswahl an technischen und fundamentalen Filtern. Die Basisversion ist kostenlos, Chartmuster-Erkennung und Echtzeitdaten sind der kostenpflichtigen Elite-Version vorbehalten. Fertige Strategie-Regelwerke wie das Trend Template musst du dir aus Einzelfiltern selbst nachbauen.

TradingView ist in erster Linie eine Charting-Plattform mit integriertem Screener und sehr großer Community. Die Stärke liegt in der Chartanalyse selbst; wer eigene Screening-Logik will, kann sie über die hauseigene Skriptsprache Pine Script programmieren — das setzt allerdings Einarbeitung voraus.

Aktienfinder.net ist ein deutschsprachiges Tool, das auf Fundamentalanalyse ausgerichtet ist: Gewinnentwicklung, Dividendenqualität, faire Bewertung. Für langfristige Qualitätsanleger gebaut — Momentum-Kriterien wie relative Stärke oder Chartmuster sind nicht sein Fokus.

FindAsset — Transparenz vorweg: Das ist das Tool des Betreibers dieser Seite, dieser Überblick ist also keine neutrale Beratung. FindAsset ist ein deutschsprachiger Screener speziell für Momentum-Trading: Er scannt über 900 US-Aktien viermal täglich gegen die fünf dokumentierten Champion-Strategien, erkennt Chartmuster wie das VCP automatisch und zeigt per Confluence-Rating, wie viele Strategien ein Setup gleichzeitig bestätigen. Die Minervini-Strategie ist dauerhaft kostenlos nutzbar.

Am Ende gilt: Jedes dieser Werkzeuge kann Teil eines funktionierenden Prozesses sein. Entscheidend ist, dass du die fünf Kriterien oben gegen deine eigene Arbeitsweise prüfst — und dann bei einem Werkzeug und einem Regelwerk bleibst, statt monatlich zu wechseln.

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FindAsset setzt alle fünf Kriterien aus diesem Ratgeber um: relative Stärke, Trend Template, VCP-Erkennung, Confluence-Rating und Sektor-Ranking — viermal täglich, auf Deutsch. Die Minervini-Strategie ist dauerhaft kostenlos.

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Häufige Fragen zu Aktien-Screenern

Was ist ein Aktien-Screener?+

Ein Aktien-Screener ist ein Filterwerkzeug, das aus tausenden Aktien diejenigen heraussucht, die definierte Kriterien erfüllen — etwa Bewertungskennzahlen, Dividendenhistorie oder, im Fall von Momentum-Screenern, Kursverhalten wie relative Stärke, Trendstruktur und Chartmuster.

Was ist der Unterschied zwischen einem Aktien-Screener und einem Aktienfinder?+

Die Begriffe werden weitgehend synonym verwendet. In der Praxis meint „Aktienfinder" im deutschsprachigen Raum oft Tools mit Fundamental-Fokus (Gewinne, Dividenden, Bewertung), während „Screener" häufiger für technische Filter steht. Entscheidend ist nicht der Name, sondern welche Kriterien das Tool prüfen kann.

Gibt es deutschsprachige Aktien-Screener?+

Ja, aber wenige — die meisten Screener kommen aus den USA und sind englischsprachig. Deutschsprachige Tools gibt es vor allem im Fundamental-Bereich (etwa Aktienfinder.net) und mit FindAsset im Momentum-Bereich. Bei englischen Tools solltest du einplanen, dass die Fachbegriffe eine eigene Lernkurve haben.

Reicht ein kostenloser Screener für Momentum-Trading?+

Für den Einstieg ja: Mit kostenlosen Filtern lassen sich Trendkriterien wie „Kurs über 200-Tage-Linie" abbilden und die grundsätzliche Marktlage sichten. Die zeitaufwendigen Schritte — Chartmuster-Erkennung, Strategie-Regelwerke, Signal-Verdichtung — sind bei den meisten Anbietern kostenpflichtig. Starte kostenlos und rüste erst auf, wenn du weißt, welche Funktion dir konkret Zeit spart.

Wie oft sollte ein Momentum-Screener seine Daten aktualisieren?+

Mindestens täglich nach US-Börsenschluss, besser mehrmals über den Handelstag verteilt. Momentum-Setups wie Ausbrüche entstehen intraday — ein Wochenrhythmus zeigt dir Bewegungen, die bereits gelaufen sind. Echtzeitdaten im Sekundentakt brauchst du für Haltedauern von Tagen bis Wochen dagegen nicht.

Kann ein Screener die eigene Analyse ersetzen?+

Nein — er ersetzt die Vorauswahl, nicht die Entscheidung. Ein Screener reduziert hunderte Aktien auf eine handhabbare Kandidatenliste. Ob ein Setup zu deinem Regelwerk, deiner Positionsgröße und der Marktlage passt, bleibt deine Prüfung. Wer Screener-Treffer ungeprüft kauft, hat keinen Prozess, sondern ein Lotterielos.

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Dieser Artikel dient ausschließlich Bildungs- und Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung sowie keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Der Handel mit Wertpapieren ist mit erheblichen Risiken bis zum Totalverlust verbunden. Historische Ergebnisse sind kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Entwicklung.