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Grundlagen · 27. Juli 2026 · 7 Min. Lesezeit
Momentum-Aktien-Screener: Was von 900 Aktien übrig bleibt
Redaktion FindAsset · So arbeiten wir
Ein Momentum-Aktien-Screener filtert nicht nach Bewertung, sondern nach Kursverhalten: relative Stärke, intakte Trendstruktur, Chartmuster, Volumen. Wie streng das ausfällt, unterschätzen die meisten: Von rund 900 US-Aktien erfüllen typischerweise etwa ein Drittel überhaupt die Mindestbedingung eines intakten Aufwärtstrends, und nur eine einstellige Zahl bestätigt mehrere Strategie-Regelwerke gleichzeitig. Ein Screener ist damit vor allem ein Ausschlussinstrument — sein Wert liegt in dem, was er wegwirft.
Die häufigste Enttäuschung beim ersten Screener ist nicht, dass er zu wenig findet. Sie ist, dass er zu viel findet. Man stellt ein paar Filter ein, bekommt 180 Treffer und steht vor derselben Frage wie vorher, nur mit einer längeren Liste. Deshalb geht es in diesem Artikel nicht darum, welches Werkzeug man kaufen sollte, sondern um eine Zahl, die kaum jemand nennt: Wie viel bleibt am Ende tatsächlich übrig?
Die Antwort lässt sich messen. Der folgende Block zeigt keine Beispielrechnung, sondern den Stand eines laufenden Scans über den gesamten US-Large-und-Mid-Cap-Markt.
Der aktuelle Scan in Zahlen
Kein Rechenbeispiel — das ist der Stand des laufenden FindAsset-Scans über 898 US-Aktien (zuletzt aktualisiert am 26. Oktober 2026). Die Seite prüft viermal täglich neu, die Zahlen unten ändern sich also mit dem Markt.
Wie viele Aktien jede Strategie einzeln bestätigt
- Minervini · Trend Template201 (22,4 %)
- Zanger · Cup-with-Handle + Volumen68 (7,6 %)
- Qullamaggie · Breakout nach starker Bewegung68 (7,6 %)
- Kell · Rücklauf an die 10/20-Tage-Linie291 (32,4 %)
- Confluence · Multi-Signal-Bestätigung113 (12,6 %)
533
erfüllen keine einzige Strategie (59,4 %)
21
bestätigen 4 von 5 (2,3 %)
2
bestätigen alle 5 (0,2 %)
STRONG/ELITE zählt hier nur, wenn zusätzlich der Sektor der Aktie überdurchschnittliches Momentum hat und der Gesamtmarkt (S&P 500) über seinem 200-Tage-Schnitt notiert — sonst wird auf GOOD zurückgestuft, auch bei voller Strategie-Zustimmung.
Warum die meisten Aktien sofort durchfallen
Rund die Hälfte aller Aktien bestätigt keine einzige der fünf geprüften Strategien. Das klingt hart, ist aber die logische Folge davon, wie Momentum funktioniert: Zu jedem Zeitpunkt befindet sich nur ein Teil des Marktes in einer Aufwärtsphase. Der Rest korrigiert, läuft seitwärts oder bildet nach einem Abverkauf gerade erst wieder einen Boden. Für einen Trendfolge-Ansatz sind das schlicht keine Kandidaten — unabhängig davon, wie gut das Unternehmen dahinter ist.
Der wichtigste Filter ist deshalb kein Chartmuster, sondern die Trendlage selbst. In der Stage-Analyse nach Weinstein heißt die relevante Phase Stage 2: Der Kurs liegt über den mittel- und langfristigen Durchschnitten, und der 200-Tage-Durchschnitt steigt. Wer diese Bedingung ernst nimmt, verliert auf einen Schlag zwei Drittel des Universums — und genau das ist beabsichtigt.
Was die Unterschiede zwischen den Strategien verraten
Interessanter als die Gesamtzahl sind die Abstände zwischen den einzelnen Regelwerken. Die Balken oben liegen nicht zufällig so weit auseinander.
Ansätze, die vor allem eine Trendlage beschreiben, bestätigen naturgemäß viele Aktien: Minervinis Trend Template und Oliver Kells Preiszyklen prüfen, ob eine Aktie sich in einer sauberen Aufwärtsstruktur befindet. Das trifft in einem freundlichen Markt auf ein knappes Drittel zu.
Ansätze, die einen konkreten Auslöser verlangen, sind viel seltener erfüllt: Dan Zanger braucht einen Ausbruch aus einer Formation mit deutlich erhöhtem Volumen, Qullamaggie eine enge Konsolidierung nach einer außergewöhnlich starken Bewegung. Solche Situationen entstehen nur an wenigen Tagen im Leben einer Aktie. Ihre Trefferquote liegt deshalb dauerhaft im niedrigen zweistelligen Bereich.
Daraus folgt eine praktische Regel: Eine niedrige Trefferzahl ist kein Zeichen dafür, dass ein Filter kaputt ist. Sie zeigt, dass er ein Ereignis sucht und nicht einen Zustand. Wer beide Typen verwechselt, wundert sich entweder über 300 Treffer oder über null.
Warum Confluence so selten ist — und was das wert ist
Wenn fünf voneinander unabhängige Regelwerke dieselbe Aktie gleichzeitig bestätigen, nennt man das Confluence. Die Zahlen oben zeigen, wie selten das vorkommt: Vier von fünf Bestätigungen erreicht ein kleiner einstelliger Prozentsatz, alle fünf oft nur eine Handvoll Titel im gesamten Markt — manchmal auch gar keiner.
Das ist mathematisch wenig überraschend. Wenn ein Ereignis-Setup nur bei zehn Prozent der Aktien vorliegt und ein zweites unabhängig davon ebenfalls, ist die Schnittmenge naturgemäß klein. Wichtiger ist die inhaltliche Seite: Eine Aktie, die gleichzeitig einen intakten Trend zeigt, aus einer Formation ausbricht, das Volumen dafür mitbringt und nach einer starken Vorbewegung eng konsolidiert hat, erfüllt nicht fünfmal dasselbe Kriterium. Sie erfüllt fünf verschiedene Blickwinkel auf dieselbe Frage.
Ob daraus ein besserer Trade wird, ist damit nicht gesagt — Confluence ist eine Aussage über die Signalqualität, keine Prognose. Auch ein Setup, das alle fünf Kriterien erfüllt, scheitert regelmäßig, etwa weil der Sektor der Aktie gerade schwach läuft oder der Gesamtmarkt dreht. Genau diese beiden Punkte prüft FindAsset seit Kurzem zusätzlich, bevor eine Aktie als ELITE oder STRONG gilt — erfüllt sie zwar alle fünf Strategien, aber Sektor oder Gesamtmarkt tragen nicht mit, wird sie auf GOOD zurückgestuft. Mehr dazu im Artikel über Breakout-Fehlsignale.
Was das für die Arbeit mit einem Screener bedeutet
Aus den Zahlen lassen sich drei Konsequenzen ableiten, die unabhängig vom verwendeten Werkzeug gelten.
Erstens: Der Screener trifft die Vorauswahl, nicht die Entscheidung. Aus 900 Aktien werden ein paar Dutzend Kandidaten. Ob einer davon zu deiner Positionsgröße, deinem Stop-Niveau und der aktuellen Marktlage passt, beantwortet keine Filterlogik.
Zweitens: Zu viele Treffer sind ein Warnsignal. Wer regelmäßig dreistellige Ergebnislisten bekommt, filtert eine Trendlage und kein Setup. Das ist als Marktüberblick nützlich, aber keine Kaufliste.
Drittens: Leere Ergebnislisten sind eine Information, kein Defekt. Wenn über Wochen kaum ein Setup die strengen Kriterien besteht, sagt das etwas über die Marktphase aus. In solchen Phasen ist Nichtstun oft die bessere Entscheidung als das Lockern der Kriterien — was in der Praxis leider der häufigere Reflex ist.
Wie man Screening-Ergebnisse selbst nachprüft
Man muss die Zahlen nicht glauben. Zwei Kriterien lassen sich mit jedem Chartprogramm von Hand kontrollieren: Liegt der Kurs über der 150- und der 200-Tage-Linie, und steigt der 200-Tage-Durchschnitt? Wer das an zehn zufälligen Aktien durchgeht, bekommt schnell ein Gefühl dafür, wie selten ein sauberer Aufwärtstrend tatsächlich ist — und wie viel Arbeit ein Screener dabei abnimmt.
Für die schwierigeren Kriterien — Kontraktionsmuster, Volumenverhalten beim Ausbruch, relative Stärke gegenüber dem Gesamtmarkt — lohnt der Blick in die jeweiligen Strategie-Beschreibungen. Dort steht jeweils, welche Bedingungen konkret geprüft werden und warum. Die relative Stärke ist dabei der Baustein, der in fast jedem der Regelwerke vorkommt.
Die aktuellen Zahlen live ansehen
Der Screener hinter diesem Artikel prüft über 900 US-Aktien viermal täglich gegen alle fünf Strategien und zeigt je Aktie, wie viele davon gleichzeitig bestätigen. Die Minervini-Strategie ist dauerhaft kostenlos nutzbar.
Kostenlos startenHäufige Fragen zu Momentum-Screenern
Was ist ein Momentum-Aktien-Screener?+
Ein Filterwerkzeug, das Aktien nicht nach Bewertungskennzahlen sortiert, sondern nach Kursverhalten: relative Stärke gegenüber dem Markt, Lage zu den gleitenden Durchschnitten, Abstand zum 52-Wochen-Hoch, Chartmuster und Volumen. Ziel ist es, aus einem großen Universum die wenigen Aktien herauszufiltern, die sich gerade in einer handelbaren Aufwärtsphase befinden.
Wie viele Treffer sollte ein Momentum-Screener liefern?+
Das hängt davon ab, ob er eine Trendlage oder ein konkretes Setup sucht. Trendfilter wie das Minervini Trend Template bestätigen in einem freundlichen Markt oft 25 bis 35 Prozent eines Universums. Ereignisbasierte Setups wie Volumen-Breakouts liegen dauerhaft im niedrigen zweistelligen Prozentbereich oder darunter. Dreistellige Trefferlisten bedeuten fast immer, dass ein Zustand gefiltert wurde und kein Auslöser.
Was bedeutet Confluence beim Screening?+
Confluence beschreibt, dass mehrere voneinander unabhängige Strategie-Regelwerke dieselbe Aktie gleichzeitig bestätigen. Weil die Kriterien unterschiedliche Aspekte prüfen — Trendstruktur, Formation, Volumen, Vorbewegung — ist die Schnittmenge naturgemäß klein. Confluence ist eine Aussage über die Qualität eines Signals, ausdrücklich aber keine Prognose über den Ausgang eines Trades.
Warum finde ich mit einem Screener manchmal gar keine Aktien?+
Weil es Marktphasen gibt, in denen kaum eine Aktie strenge Momentum-Kriterien erfüllt — etwa in Korrekturen oder frühen Bodenbildungsphasen. Eine leere Liste ist dann ein Befund über die Marktlage und kein Fehler des Werkzeugs. Der verbreitete Reflex, in solchen Phasen die Kriterien zu lockern, führt meist zu Trades, die man bei klarem Blick nicht eingegangen wäre.
Reicht ein kostenloser Screener für den Einstieg?+
Für die Grundlagen ja. Trendkriterien wie „Kurs über der 200-Tage-Linie" oder der Abstand zum 52-Wochen-Hoch lassen sich mit kostenlosen Filtern abbilden und beantworten bereits die wichtigste Vorfrage. Zeitaufwendig wird es bei Mustererkennung und der Verdichtung mehrerer Regelwerke — diese Schritte sind bei den meisten Anbietern kostenpflichtig. Sinnvoll ist, kostenlos zu starten und erst aufzurüsten, wenn klar ist, welcher Schritt im eigenen Ablauf die meiste Zeit frisst.
Wie oft muss ein Momentum-Screener aktualisiert werden?+
Mindestens einmal täglich nach US-Börsenschluss, besser mehrmals über den Handelstag verteilt. Ausbrüche entstehen innerhalb eines Tages; ein Wochenrhythmus zeigt Bewegungen, die längst gelaufen sind. Echtzeitdaten im Sekundentakt braucht es bei Haltedauern von Tagen bis Wochen dagegen nicht.
Kann ein Screener die eigene Analyse ersetzen?+
Nein, er ersetzt die Vorauswahl. Ein Screener reduziert hunderte Aktien auf eine handhabbare Kandidatenliste und nimmt damit die mechanische Arbeit ab. Ob ein Setup zum eigenen Regelwerk, zur Positionsgröße und zur Marktlage passt, bleibt eine eigene Entscheidung.
Weiterlesen
- Was ist Momentum-Trading? Der Einsteiger-Guide
- Stage-Analyse: die vier Phasen einer Aktie
- Relative Stärke bei Aktien richtig lesen
- Aktuelle US-Aktien Breakout-Setups — täglich aktualisiert
- Der Sektor-Check: das Live-Ranking der US-Sektoren
Dieser Artikel dient ausschließlich Bildungs- und Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung sowie keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Der Handel mit Wertpapieren ist mit erheblichen Risiken bis zum Totalverlust verbunden. Historische Ergebnisse sind kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Entwicklung.