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Risikomanagement · 24. Juli 2026 · 8 Min. Lesezeit

Positionsgröße berechnen: 1-%-Regel, 1R und die häufigsten Fehler

Die Positionsgröße legst du nicht nach Bauchgefühl oder festem Eurobetrag fest, sondern rückwärts aus deinem Risiko: Bestimme, wie viel ein einzelner Trade maximal kosten darf (üblich 1 % des Kontos), teile diesen Betrag durch den Verlust pro Aktie (Entry minus Stop-Loss) — und du erhältst die Stückzahl, die genau dieses Risiko einhält. Ein enger Stop erlaubt eine große Position, ein weiter Stop erzwingt eine kleine, bei identischem Risiko in Euro. Die Positionsgröße ist der einzige Teil eines Trades, den du vollständig in der Hand hast.

Die meisten Trading-Verluste, die wirklich weh tun, entstehen nicht durch die falsche Aktie — sondern durch die falsche Menge der richtigen Aktie. Wer bei jedem Trade einen festen Betrag investiert oder „so viel, wie sich gut anfühlt", überlässt sein Risiko dem Zufall: Mal steht viel auf dem Spiel, mal wenig, und im schlechtesten Moment am meisten. Die Positionsgröße ist das Gegenmittel. Sie übersetzt eine abstrakte Risiko-Vorgabe in eine konkrete Stückzahl — und ist damit der Hebel, mit dem gute Trader ihre Verluste klein und gleich groß halten. Dieser Artikel zeigt die Rechnung dahinter, Schritt für Schritt.

Die eine Größe, die du wirklich kontrollierst

An einem Trade gibt es erstaunlich wenig, das du beeinflussen kannst. Ob die Aktie nach dem Kauf steigt oder fällt, entscheidet der Markt. Wann ein Ausbruch scheitert, entscheidet der Markt. Selbst der Ausführungskurs deines Stops kann bei einer Kurslücke vom Plan abweichen. Die Positionsgröße ist die große Ausnahme — die eine Variable, die vollständig in deiner Hand liegt, bevor die Order überhaupt rausgeht.

Genau deshalb bauen die erfolgreichen Momentum-Trader ihr ganzes System darauf. Ihre Trefferquoten liegen oft unter 50 % — Mark Minervini hat das offen dokumentiert. Dass am Ende trotzdem außergewöhnliche Renditen stehen, liegt an einer Asymmetrie: viele kleine, gleich große Verluste stehen wenigen großen Gewinnern gegenüber. Diese Asymmetrie funktioniert aber nur, wenn „klein" bei jedem Trade dasselbe bedeutet. Ohne saubere Positionsgröße wird aus der Statistik ein Glücksspiel — ein einziger übergroßer Verlierer frisst die Gewinne von zehn disziplinierten Trades.

Die 1-%-Regel: Wie viel ein Trade kosten darf

Der Ausgangspunkt ist nicht die Aktie, sondern dein Konto. Du legst vorab fest, welchen Anteil deines Kapitals ein einzelner Fehltrade höchstens kosten darf. Bewährt hat sich die 1-%-Regel: pro Trade maximal etwa 1 % des Kontos riskieren. Erfahrene Trader bewegen sich zwischen 0,5 und 2 %, aber selten darüber.

Der Grund ist die Verlustserie, die in jeder Strategie irgendwann kommt. Bei 1 % Risiko pro Trade kosten dich zehn Fehltrades in Folge rund 10 % des Kontos — unangenehm, aber locker verkraftbar und schnell wieder aufgeholt. Bei 5 % pro Trade wären dieselben zehn Fehltrades über 40 % des Kontos, und das ist die Zone, aus der viele Konten nie zurückkehren. Denn die Verlust-Mathematik ist unsymmetrisch: 40 % Verlust brauchen 67 % Gewinn zurück, 50 % Verlust ganze 100 %. Kleine, definierte Risiken halten dich im Spiel, bis die großen Gewinner kommen.

Dieses eine Prozent ist dein Risikobudget pro Trade — in der Trader-Sprache 1R („ein R", von Risk). Ein Konto von 25.000 € bei 1 % Risiko bedeutet: Ein Trade darf maximal 250 € kosten. Diese 250 € sind ab jetzt die feste Größe, um die sich alles andere dreht.

Die Formel: Vom Risiko zur Stückzahl

Jetzt kommt die Aktie ins Spiel — und zwar über ihren Stop-Loss. Der Abstand zwischen Einstieg und Stop sagt dir, wie viel du pro Aktie verlierst, wenn der Trade scheitert. Aus Budget und Verlust pro Aktie ergibt sich die Stückzahl von selbst:

Stückzahl = Risikobudget ÷ (Entry − Stop-Loss)

Ein durchgerechnetes Beispiel, Zahl für Zahl:

  • Konto: 25.000 €, Risiko 1 % → Budget 250 €
  • Aktie: Einstieg bei 50,00 €, Stop-Loss unter die letzte Konsolidierung bei 47,50 €
  • Risiko pro Aktie: 50,00 − 47,50 = 2,50 €
  • Stückzahl: 250 € ÷ 2,50 € = 100 Aktien (auf ganze Stück abgerundet)
  • Positionswert: 100 × 50,00 = 5.000 € — also 20 % des Kontos

Wird der Stop ausgelöst, verlierst du 100 × 2,50 € = 250 €: exakt das eine Prozent, das du vorher festgelegt hast, keinen Cent mehr. Läuft die Aktie dagegen auf 58,75 € — das 3,5-fache des Stop-Abstands —, stehen 875 € Gewinn dagegen. Ein 3,5R-Trade: du hast das 3,5-fache dessen verdient, was du riskiert hast. Genau diese Rechnung nimmt dir der Positionsgrößen-Rechner in Sekunden ab, samt Positionswert und Risiko in Euro.

Der entscheidende Punkt an der Formel: Du investierst keinen festen Betrag. Du riskierst einen festen Betrag. Der Positionswert fällt von Trade zu Trade unterschiedlich aus — und das ist kein Fehler, sondern der ganze Sinn.

Warum enger und weiter Stop verschiedene Positionsgrößen erzwingen

Hier schließt sich der Kreis zum Stop-Loss. Ein weiter Stop ist nicht per se schlechter als ein enger — er erzwingt nur eine kleinere Position. Der Anteil deines Kontos, den eine Position ausmacht, folgt einer verblüffend einfachen Beziehung:

Positionsanteil am Konto = Risiko-% ÷ Stop-Abstand-%

Zwei Beispiele mit derselben 1-%-Regel und demselben 25.000-€-Konto:

  • Enger Stop: Aktie 50 €, Stop 3,6 % darunter. 1 % ÷ 3,6 % = rund 28 % des Kontos dürfen in die Position. Das sind etwa 138 Aktien für 6.900 €.
  • Weiter Stop: volatile Aktie mit 14,5 % Stop-Abstand. 1 % ÷ 14,5 % = nur rund 7 % des Kontos. Deutlich weniger Stück, viel kleinerer Positionswert.

Beide Trades verlieren beim Stop-out exakt dasselbe: 1 % des Kontos, 250 €. Das ist die Kernaussage, die viele Einsteiger nie verinnerlichen: Nicht der Stop-Abstand bestimmt dein Risiko, sondern das Produkt aus Abstand und Positionsgröße. Wer eine volatile Aktie mit weitem Stop in voller Positionsgröße kauft, hat kein Stop-Problem — er hat ein Sizing-Problem. Und wer die richtige technische Marke für seinen Stop sucht, findet die Details dazu im Artikel Stop-Loss richtig setzen; die Positionsgröße ist die zweite Hälfte derselben Rechnung.

In R denken: Gewinne unabhängig von der Kontogröße messen

Sobald du jede Position auf 1R Risiko normierst, bekommst du eine Sprache geschenkt, in der sich Trades sauber vergleichen lassen. R ist dein Risiko in Geld — hier 250 €. Ein Gewinner, der 750 € bringt, ist ein 3R-Trade. Ein Verlierer, der am Stop ausgeht, ist −1R. Ob dein Konto 25.000 € oder 250.000 € groß ist, spielt keine Rolle mehr: Ein 3R-Trade bleibt ein 3R-Trade.

Das ist mehr als Buchhaltung. In R zu denken macht deine Erwartung rechenbar. Angenommen, du gewinnst nur 40 % deiner Trades, aber deine Gewinner bringen im Schnitt 3R und deine Verlierer kosten 1R. Dann verdienst du pro Trade im Mittel: 0,40 × 3R − 0,60 × 1R = +0,6R. Mit einer Trefferquote unter 50 % Geld verdienen — das geht nur, wenn jeder Verlust verlässlich bei 1R gedeckelt ist. Und dafür sorgt allein die Positionsgröße. Sie ist der Mechanismus, der die schöne Theorie der Asymmetrie überhaupt erst in echte Kontokurven übersetzt.

Die häufigsten Fehler bei der Positionsgröße

  • Fester Eurobetrag statt festes Risiko. „Ich kaufe immer für 5.000 €" ist der klassische Anfängerfehler. Bei engem Stop riskierst du damit vielleicht 150 €, bei weitem Stop 600 € — dein Risiko schwankt unkontrolliert von Trade zu Trade, obwohl es das Einzige ist, was du festnageln könntest.
  • Position an den Stop anpassen, statt den Stop an die Position. Wer erst die Stückzahl festlegt und den Stop dann so eng zieht, dass die Rechnung „aufgeht", stoppt sich zuverlässig beim normalen Tagesrauschen aus. Die Reihenfolge ist immer: erst der Stop an der technischen Marke, dann die Positionsgröße, die dazu passt.
  • Das gesamte Konto in einen Titel. Selbst wenn die Formel bei sehr engem Stop rechnerisch 60 % des Kontos erlaubt — bei einer Kurslücke über Nacht greift der Stop nicht zum Wunschkurs. Ein sinnvolles Limit von 20 bis 25 % Positionswert pro Titel schützt vor genau diesem Gap-Risiko, unabhängig davon, was das Risikobudget hergibt.
  • Zu viele Positionen mit je 1R gleichzeitig. Zehn offene Trades zu je 1 % sind zusammen 10 % Konto-Risiko — und in einem scharfen Marktabverkauf fallen sie oft gemeinsam. Erfahrene Trader deckeln nicht nur das Einzelrisiko, sondern auch das Gesamtrisiko aller offenen Positionen (die „Portfolio-Hitze").
  • Nach Gewinnen das Risiko hochdrehen. Nach ein paar starken Trades fühlt sich 1 % plötzlich zu zaghaft an. Genau dann schlägt eine normale Verlustserie doppelt zu. Das Risikoprozent gehört an die Strategie gekoppelt, nicht an die Laune oder den letzten Kontostand.
  • Die Rechnung „später mal" machen. Kontogröße und Stop-Abstand ändern sich bei jedem Trade, also ändert sich die Stückzahl. Die Positionsgröße gehört vor jede Order neu berechnet — von Hand mit der Formel, mit dem Rechner, oder mit einem Screener, der sie direkt am Setup mitliefert.

Positionsgröße nicht mehr von Hand rechnen

Der FindAsset Screener liefert Mitgliedern zu jedem bestätigten Setup die Positionsgröße direkt mit — zusammen mit Entry und ATR-basiertem Stop-Loss, nach derselben 1R-Logik, viermal täglich aktualisiert über 900 US-Aktien. Die Minervini-Strategie ist dauerhaft kostenlos.

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Häufige Fragen zur Positionsgröße

Wie berechnet man die Positionsgröße?+

Über drei Schritte: Erstens das Risikobudget festlegen — Kontogröße mal Risikoprozentsatz, etwa 1 %. Zweitens den Verlust pro Aktie bestimmen — die Differenz zwischen Einstiegskurs und Stop-Loss. Drittens das Budget durch diesen Verlust pro Aktie teilen und auf ganze Stück abrunden. Beispiel: 250 € Budget geteilt durch 2,50 € Risiko pro Aktie ergibt 100 Stück.

Wie viel Prozent des Kontos sollte man pro Trade riskieren?+

Bewährt sind 0,5 bis 1 % pro Trade, erfahrene Trader gehen selten über 2 %. Der Grund ist die Verlustserie: Bei 1 % Risiko kosten zehn Fehltrades in Folge rund 10 % des Kontos — verkraftbar. Bei 5 % pro Trade wären es über 40 %, und solche Serien kommen in jeder Strategie vor.

Was bedeutet 1R im Trading?+

R steht für das Risiko eines Trades in Geld: Kontogröße mal Risikoprozentsatz. Die Positionsgröße wird so gewählt, dass ein Ausstopp am Stop-Loss genau 1R kostet. Gewinne lassen sich dann in R messen — ein Trade, der das Dreifache des Risikos bringt, ist ein 3R-Gewinner, unabhängig von der absoluten Kontogröße.

Warum rechnet man die Positionsgröße vom Stop-Loss aus?+

Weil der Stop-Abstand bestimmt, wie viel du pro Aktie verlieren kannst. Ein enger Stop erlaubt eine große Position, ein weiter Stop erzwingt eine kleine — bei identischem Risiko in Euro. Wer stattdessen einen festen Geldbetrag investiert, riskiert bei jedem Trade einen anderen, unkontrollierten Betrag.

Was mache ich, wenn der Positionswert größer als mein Konto ist?+

Das passiert bei sehr engen Stops: Das Risikobudget erlaubt rechnerisch mehr Aktien, als das Konto bezahlen kann. Ohne Hebel kaufst du dann einfach so viele Stück, wie das Konto hergibt — dein tatsächliches Risiko liegt damit unter dem Budget, was unkritisch ist. Ein Hebel nur zum Ausschöpfen des Budgets ist für die meisten Trader die falsche Antwort.

Wie viele Positionen sollte man gleichzeitig halten?+

Entscheidend ist nicht die Anzahl, sondern das Gesamtrisiko. Zehn offene Trades zu je 1 % sind zusammen 10 % Konto-Risiko — und im Abverkauf fallen sie oft gemeinsam. Viele Trader deckeln daher die Summe aller offenen Risiken (die Portfolio-Hitze) auf einen festen Wert, etwa 5 bis 6 %, und steuern darüber die Zahl paralleler Positionen.

Gilt die Positionsgrößen-Formel auch fürs langfristige Investieren?+

Die Logik ja, die Umsetzung anders. Buy-and-hold-Investoren arbeiten meist nicht mit engen Kurs-Stops, steuern ihr Risiko aber über Diversifikation und Positionsobergrenzen pro Titel. Das Grundprinzip bleibt: kein einzelner Wert darf das Depot überproportional treffen, wenn er einbricht.

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Dieser Artikel dient ausschließlich Bildungs- und Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung sowie keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Der Handel mit Wertpapieren ist mit erheblichen Risiken bis zum Totalverlust verbunden. Historische Ergebnisse sind kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Entwicklung.