Alle Lernartikel

Chartanalyse · 02. Juli 2026 · 7 Min. Lesezeit

Stage-Analyse nach Weinstein: Die 4 Phasen jeder Aktie erklärt

Die Stage-Analyse nach Stan Weinstein teilt den Kursverlauf jeder Aktie in vier wiederkehrende Phasen: Bodenbildung (Stage 1), Aufwärtstrend (Stage 2), Top-Bildung (Stage 3) und Abwärtstrend (Stage 4). Gekauft wird ausschließlich in Stage 2 — erkennbar am Ausbruch über die Bodenzone bei steigendem 30-Wochen-Durchschnitt und deutlich erhöhtem Volumen.

Stan Weinsteins Buch „Secrets for Profiting in Bull and Bear Markets" von 1988 ist bis heute eines der meistempfohlenen Trading-Bücher überhaupt — und sein Kernmodell, die Stage-Analyse, bildet das Fundament fast aller modernen Momentum-Strategien. Mark Minervini nennt Weinstein als direkten Einfluss; sein Trend Template ist im Kern ein mechanischer Stage-2-Detektor. Wer die vier Phasen versteht, versteht, warum Momentum-Trader so handeln, wie sie handeln.

Was sind die 4 Stages einer Aktie?

Weinsteins Beobachtung: Aktien laufen nicht zufällig, sondern durchlaufen immer wieder denselben Zyklus — angetrieben davon, wie institutionelles Kapital ein- und aussteigt.

  • Stage 1 — Bodenbildung: Nach einem Abwärtstrend beruhigt sich der Kurs und pendelt monatelang seitwärts. Der 30-Wochen-Durchschnitt verläuft flach, das Interesse ist gering. Käufer und Verkäufer halten sich die Waage — die Aktie „langweilt" alle heraus.
  • Stage 2 — Aufwärtstrend: Die Aktie bricht mit deutlich erhöhtem Volumen über die obere Grenze der Bodenzone aus. Der 30-Wochen-Durchschnitt dreht nach oben, der Kurs bildet höhere Hochs und höhere Tiefs. Das ist die Phase, in der die großen Bewegungen passieren — oft über Monate bis Jahre.
  • Stage 3 — Top-Bildung: Der Anstieg verliert Schwung. Der Kurs pendelt volatil seitwärts, der 30-Wochen-Durchschnitt flacht ab. Institutionelles Kapital verteilt seine Bestände an die Nachzügler, die jetzt erst einsteigen. Spiegelbild von Stage 1 — nur oben.
  • Stage 4 — Abwärtstrend: Der Kurs bricht unter die Unterstützungszone und den fallenden 30-Wochen-Durchschnitt. Tiefere Tiefs, tiefere Hochs. Jede Erholung scheitert am fallenden Durchschnitt. Die Phase, in der „billig kaufen" am teuersten wird.

Danach beginnt der Zyklus von vorn. Nicht jede Aktie durchläuft die Phasen gleich schnell oder sauber — aber das Grundmuster wiederholt sich seit Jahrzehnten, weil sich das Verhalten der Marktteilnehmer wiederholt.

Warum solltest du nur in Stage 2 kaufen?

Weinsteins wichtigste Regel ist zugleich seine unbequemste: Nur Stage 2 ist kaufenswert. Die anderen drei Phasen sind Kapitalvernichter — jede auf ihre Weise.

In Stage 1 verliert man kein Geld, aber Zeit: Die Aktie kann noch Monate oder Jahre seitwärts laufen, während Stage-2-Aktien anderswo performen. In Stage 3 ist das Chance-Risiko-Verhältnis vergiftet — der Aufwärtstrend ist verbraucht, aber der Abwärtstrend hat noch nicht begonnen; man kauft die Unentschlossenheit. Und Stage 4 ist die Phase, in der die größten Verluste entstehen, weil fallende Aktien optisch „günstig" wirken und immer weiter fallen.

Stage 2 dagegen kombiniert zwei Dinge, die sonst selten zusammenkommen: bewiesene Stärke (der Ausbruch ist passiert, Institutionen kaufen sichtbar) und definierbares Risiko (der Stop liegt unter der Ausbruchszone beziehungsweise dem steigenden Durchschnitt). Man verzichtet auf den theoretisch perfekten Einstieg am Tiefpunkt — und bekommt dafür die statistisch beste Phase des gesamten Zyklus.

Woran erkennst du den Übergang zu Stage 2?

Der Übergang von Stage 1 zu Stage 2 ist der wichtigste Moment des Modells — und Weinstein hat ihn präzise definiert:

  1. Ausbruch über die Bodenzone: Der Kurs überwindet den höchsten Punkt der Stage-1-Spanne. Solange er innerhalb pendelt, ist es weiter Stage 1.
  2. Der 30-Wochen-Durchschnitt bestätigt: Der Kurs notiert über dem Durchschnitt, und dieser hört auf zu fallen — idealerweise steigt er bereits. Ein Ausbruch unter einen fallenden Durchschnitt ist verdächtig.
  3. Volumen explodiert: Der echte Stage-2-Ausbruch zieht massiv Kaufvolumen an — Weinstein verlangte mindestens das Doppelte des Durchschnitts. Ohne Volumen kein Vertrauen: Es fehlt der Beweis, dass große Adressen kaufen.
  4. Relative Stärke dreht positiv: Die Aktie beginnt, besser zu laufen als der Gesamtmarkt. Stage-2-Kandidaten in einem schwachen Markt sind die Marktführer des nächsten Zyklus.

In der Praxis musst du das nicht per Hand prüfen: Die 6 Kriterien des Minervini Trend Templates übersetzen genau diese Stage-2-Definition in messbare Bedingungen — gestaffelte gleitende Durchschnitte, steigender SMA200, Abstand vom 52-Wochen-Tief, Nähe zum Hoch.

Wie erkennst du, dass Stage 2 endet?

Kein Trend läuft ewig, und Weinsteins Modell liefert auch die Ausstiegs-Warnungen. Typische Stage-3-Signale sind: Der 30-Wochen-Durchschnitt flacht sichtbar ab, der Kurs schneidet ihn immer häufiger, die Schwankungen werden größer statt kleiner, und Ausbrüche auf neue Hochs scheitern wiederholt. Einzeln ist jedes Signal harmlos — in Kombination kündigen sie den Phasenwechsel an.

Für Swing-Trader mit Wochen-Horizont ist das Stage-Modell dabei eher Kompass als Stoppuhr: Es beantwortet die Frage, ob eine Aktie überhaupt handelbar ist (nur Stage 2), während der konkrete Ein- und Ausstieg über Setups wie VCP-Muster, Breakouts oder Rückläufe an die gleitenden Durchschnitte getimt wird.

Wie nutzt du die Stage-Analyse konkret?

Als Filter vor jeder anderen Analyse — in drei Schritten:

  1. Wochenchart aufziehen, 30-Wochen-Durchschnitt einblenden (auf Tagesbasis entspricht das ungefähr dem SMA150). Zwei Fragen: Steigt der Durchschnitt? Notiert der Kurs darüber?
  2. Phase zuordnen. Meist reicht ein Blick: flacher Durchschnitt + Seitwärtskurs = Stage 1 oder 3, steigender Durchschnitt + höhere Hochs = Stage 2, fallender Durchschnitt = Stage 4. Im Zweifel ist es kein Stage 2 — und damit kein Kauf.
  3. Nur Stage-2-Aktien weiter analysieren. Alles andere fliegt raus, egal wie überzeugend die Story klingt. Diese eine Regel eliminiert die häufigsten Verlust-Trades: Bodenfischen in Stage 4 und Geduldsproben in Stage 1.

Stage-2-Aktien automatisch finden

Der FindAsset-Screener prüft die Stage-2-Kriterien — steigende gleitende Durchschnitte, Trendstruktur, Abstand zum 52-Wochen-Hoch — automatisch für über 900 US-Aktien, viermal täglich. Die Minervini-Strategie ist dauerhaft kostenlos.

Kostenlos starten

Häufige Fragen zur Stage-Analyse

Was ist die Stage-Analyse?+

Ein von Stan Weinstein entwickeltes Modell, das den Kursverlauf jeder Aktie in vier Phasen einteilt: Bodenbildung (Stage 1), Aufwärtstrend (Stage 2), Top-Bildung (Stage 3) und Abwärtstrend (Stage 4). Gehandelt wird nach Weinstein ausschließlich Stage 2.

Welchen gleitenden Durchschnitt nutzt die Stage-Analyse?+

Weinstein arbeitet mit dem 30-Wochen-Durchschnitt im Wochenchart — auf Tagesbasis entspricht das ungefähr dem SMA150. Seine Richtung (steigend, flach, fallend) und die Position des Kurses dazu sind das wichtigste Zuordnungskriterium der Phasen.

Woran erkenne ich eine Stage-2-Aktie?+

Der Kurs ist mit deutlich erhöhtem Volumen über die Bodenzone ausgebrochen, notiert über dem steigenden 30-Wochen-Durchschnitt und bildet höhere Hochs und höhere Tiefs. Zusätzlich sollte die Aktie stärker laufen als der Gesamtmarkt (positive relative Stärke).

Warum soll man nicht in Stage 1 kaufen, wenn die Aktie dort am billigsten ist?+

Weil Stage 1 beliebig lange dauern kann — Monate bis Jahre, in denen das Kapital totliegt. Der Stage-2-Einstieg verzichtet bewusst auf die ersten Prozent der Bewegung und bekommt dafür Bestätigung: Der Ausbruch beweist, dass echtes Kaufinteresse da ist.

Ist die Stage-Analyse heute noch aktuell?+

Ja — sie beschreibt Marktpsychologie und institutionelles Kaufverhalten, nicht eine Modeerscheinung. Moderne Momentum-Strategien wie das Minervini Trend Template sind direkte Weiterentwicklungen: Sie übersetzen Weinsteins Stage-2-Definition in mechanisch prüfbare Kriterien.

Was ist der Unterschied zwischen Stage-Analyse und Trend Template?+

Die Stage-Analyse ist das Konzept (vier Phasen, nur Stage 2 kaufen), das Trend Template die mechanische Umsetzung: 6 konkrete Kriterien aus gleitenden Durchschnitten und 52-Wochen-Abständen, die eine Stage-2-Aktie objektiv identifizieren — ohne Interpretationsspielraum.

Funktioniert die Stage-Analyse auch für Indizes und ETFs?+

Ja, das Modell ist universell — Weinstein selbst wandte es auf Indizes, Sektoren und Rohstoffe an. Viele Trader bestimmen zuerst die Stage des Gesamtmarkts und handeln Einzelaktien nur, wenn auch der Markt in Stage 2 ist.

Weiterlesen


Dieser Artikel dient ausschließlich Bildungs- und Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung sowie keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Der Handel mit Wertpapieren ist mit erheblichen Risiken bis zum Totalverlust verbunden. Historische Ergebnisse sind kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Entwicklung.